HYDROLYSIERTES PHOSPHATIDYLCHOLIN
Ein vielseitiges Phospholipid für moderne Hautpflegeformulierungen
Hydrolysiertes Phosphatidylcholin ist ein durch kontrollierte Hydrolyse verändertes Phospholipid. Ausgangsstoff ist Phosphatidylcholin, ein natürlicher Bestandteil biologischer Zellmembranen, der einen wasserliebenden und einen fettliebenden Molekülbereich besitzt.
Durch die Hydrolyse werden Teile des ursprünglichen Phospholipids enzymatisch, chemisch oder technologisch gespalten. Dadurch können sich seine Dispergierbarkeit, Oberflächenaktivität und Emulgierfähigkeit gegenüber nicht hydrolysiertem Phosphatidylcholin verändern.
In kosmetischen Formulierungen kann hydrolysiertes Phosphatidylcholin dabei helfen, Wasser- und Ölbestandteile miteinander zu verbinden, feine Emulsionen aufzubauen und lipophile Wirkstoffe gleichmäßig zu verteilen. Gleichzeitig unterstützt es ein glattes, geschmeidiges und gepflegtes Hautgefühl.
Der Rohstoff eignet sich besonders für Cremes, Lotionen, Seren, Gele, Masken, Haarpflegeprodukte sowie für lamellare, liposomale oder phospholipidbasierte Trägersysteme.
Produkteigenschaften
Phosphatidylcholin und biologische Membranen
Phosphatidylcholin gehört zur Stoffklasse der Phospholipide. Diese Moleküle sind wichtige Strukturbestandteile biologischer Zellmembranen. Aufgrund ihres amphiphilen Aufbaus können sie sich in wässriger Umgebung zu Doppelschichten, lamellaren Strukturen oder kleinen Vesikeln anordnen.
Phospholipide besitzen einen hydrophilen, also wasserliebenden Kopfbereich und lipophile, also fettliebende Fettsäurebereiche. Diese besondere Molekülstruktur ermöglicht es ihnen, sich zwischen einer Wasser- und einer Ölphase anzuordnen.
In kosmetischen Produkten wird diese Eigenschaft genutzt, um Ölbestandteile fein in einer Wasserphase zu verteilen, die Hautsensorik zu verbessern und ausgewählte Wirkstoffe in geeignete Trägersysteme einzubinden.
Die natürliche Funktion von Phosphatidylcholin als Bestandteil biologischer Zellmembranen darf nicht mit der Behauptung gleichgesetzt werden, ein kosmetisch aufgetragenes Produkt würde neue Zellwände aufbauen. In Hautpflegeprodukten stehen die emulgierenden, hautpflegenden und formulierungstechnischen Eigenschaften im Vordergrund.
Was bedeutet „hydrolysiert“?
Bei der Hydrolyse werden bestimmte chemische Bindungen des ursprünglichen Phospholipids unter Beteiligung von Wasser gespalten. Abhängig vom Herstellungsverfahren können dabei unter anderem lysophospholipidreiche Fraktionen, freie Fettsäuren oder weitere phospholipidtypische Bestandteile entstehen.
Die Hydrolyse kann die Grenzflächenaktivität und Dispergierbarkeit des Rohstoffes verändern. Hydrolysiertes Phosphatidylcholin kann daher in manchen Formulierungen leichter in wässrige Systeme eingebunden werden als ein hochreines, nicht hydrolysiertes Phosphatidylcholin.
Die genaue Zusammensetzung ist jedoch immer produktspezifisch. Hydrolysiertes Phosphatidylcholin ist kein einzelnes, stets identisch zusammengesetztes Molekül, sondern kann je nach Ausgangsmaterial, Hydrolysegrad, Reinheit und Herstellungsverfahren unterschiedliche Phospholipidfraktionen enthalten.
Besondere Vorteile in kosmetischen Formulierungen
Hilft dabei, Öl- und Wasserbestandteile fein zu verteilen und homogene kosmetische Systeme aufzubauen.
Kann ein weiches, glattes und weniger fettig wirkendes Hautgefühl unterstützen.
Eignet sich für Pflegeformulierungen, die trockene, reife oder beanspruchte Haut mit Phospholipiden versorgen.
Kann die gleichmäßige Einbindung ausgewählter Öle, Extrakte und lipophiler Wirkstoffe erleichtern.
Passt besonders gut in moderne Formulierungen mit hautähnlich aufgebauten, geordneten Lipidschichten.
Kann in Conditionern, Haarmasken und Kopfhautpflege zu einer geschmeidigen und gepflegten Haaroberfläche beitragen.
Typische Einsatzbereiche
• Gesichtscremes
• Körperlotionen
• Nachtpflege
• Pflegebalsame
• Hand- und Fußpflege
• After-Sun-Produkte
• Wirkstoffseren
• Lipidseren
• Anti-Aging-Pflege
• Barrierestärkende Pflege
• Masken
• Pflege für trockene Haut
• Conditioner
• Haarmasken
• Leave-in-Pflege
• Kopfhautseren
• Haarspitzenpflege
• Pflege für coloriertes Haar
• Öl-in-Wasser-Emulsionen
• Lamellare Emulsionen
• Liposomale Dispersionen
• Phospholipid-Gele
• Wirkstoffträgersysteme
• Emulgator-Komplexe
Orientierende Einsatzkonzentration
Die geeignete Einsatzmenge richtet sich nach dem tatsächlichen Phospholipidgehalt, dem Hydrolysegrad, der physikalischen Form, dem Trägersystem und der gewünschten Funktion innerhalb der Rezeptur.
Konzentrierte Pulver, Pasten, flüssige Dispersionen und Compound-Rohstoffe können sich erheblich voneinander unterscheiden. Die folgende Tabelle enthält daher nur allgemeine Orientierungswerte.
| Anwendung | Orientierende Einsatzmenge |
|---|---|
| Als hautpflegender Phospholipid-Wirkstoff | ca. 0,2–2,0 % |
| In Cremes und Lotionen | ca. 0,5–3,0 % |
| In Seren, Gelen und Masken | ca. 0,2–2,0 % |
| In Haarpflegeprodukten | ca. 0,2–2,0 % |
| Als Bestandteil eines Emulgatorsystems | ca. 1,0–5,0 % |
| Liposomale oder lamellare Trägersysteme | nach Rezeptur, Wirkstoffgehalt und Herstellerempfehlung |
Die genannten Einsatzmengen sind unverbindliche Orientierungswerte. Bei hochkonzentrierten Qualitäten oder speziellen Phospholipid-Komplexen können bereits geringere Mengen ausreichend sein. Bei verdünnten Dispersionen oder Compound-Rohstoffen können höhere Einsatzkonzentrationen erforderlich werden. Maßgeblich sind immer das technische Datenblatt, die INCI-Deklaration und der tatsächliche Wirkstoffgehalt des verwendeten Produktes.
Verarbeitung
Die optimale Verarbeitung hängt stark von der konkreten Rohstoffqualität ab. Hydrolysiertes Phosphatidylcholin kann als Pulver, Granulat, Paste, flüssige Dispersion oder als Bestandteil eines vorkonfektionierten Emulgator- beziehungsweise Liposomenkomplexes angeboten werden.
Ein pulverförmiger Rohstoff sollte nicht unkontrolliert auf eine ruhende Wasseroberfläche gegeben werden, da sich Klumpen oder schwer benetzbare Agglomerate bilden können. Eine Vorverteilung in einem geeigneten Medium erleichtert die homogene Einarbeitung.
1. Hydrolysiertes Phosphatidylcholin exakt und staubarm einwiegen.
2. Je nach Produktspezifikation in einem Teil der Wasserphase, Fettphase oder in einem geeigneten Co-Emulgator vorverteilen.
3. Pulver langsam und unter gleichmäßigem Rühren einstreuen.
4. Ausreichend Zeit zur vollständigen Benetzung und Quellung geben.
5. Bei Bedarf moderat erwärmen und homogenisieren.
6. Anschließend in die vorbereitete Gesamtformulierung einarbeiten.
7. Während der Abkühlung gleichmäßig weiterrühren.
8. Das fertige Produkt auf Homogenität, Geruch, Farbe, Viskosität und Langzeitstabilität prüfen.
Die erforderliche Verarbeitungstemperatur kann nicht pauschal festgelegt werden. Manche Rohstoffqualitäten lassen sich kalt dispergieren, während andere durch eine kontrollierte Erwärmung besser hydratisieren oder emulgieren. Zu hohe Temperaturen und lange Hitzeeinwirkung können die Oxidation ungesättigter Phospholipide fördern. Das technische Datenblatt des Herstellers hat daher immer Vorrang.
Verhalten in Gelen und wässrigen Systemen
Hydrolysiertes Phosphatidylcholin ist nicht mit einem klassischen Gelbildner wie Xanthan Gum, Sclerotium Gum oder Hydroxyethylcellulose gleichzusetzen. Es kann jedoch gemeinsam mit Wasser, Lipiden und geeigneten Polymeren strukturierte Dispersionen oder gelartige Systeme unterstützen.
Ob eine Formulierung bereits ohne Erwärmung ein Gel bildet, hängt hauptsächlich von den zusätzlich eingesetzten Gelbildnern ab. Xanthan Gum, Sclerotium Gum, Pullulan oder Akaziengummi können je nach Qualität bereits bei Raumtemperatur hydratisieren und ein Gel beziehungsweise eine verdickte Dispersion erzeugen.
Eine kontrollierte Erwärmung kann die Hydratisierung und Verteilung des Phospholipids verbessern. Sie ist jedoch nicht grundsätzlich erforderlich, sofern die verwendete Rohstoffqualität für eine Kaltverarbeitung vorgesehen ist.
Bei Kombinationen aus hydrolysiertem Phosphatidylcholin, Xanthan Gum, Sclerotium Gum, Pullulan, Akaziengummi und Silica sollten die pulverförmigen Bestandteile zunächst trocken homogen vorgemischt werden. Die Mischung anschließend langsam und unter guter Bewegung in die Wasserphase einstreuen. Dadurch wird die Gefahr von Klumpenbildung deutlich reduziert.
Sinnvolle Formulierungskombinationen
Ergänzen Phospholipidsysteme in barrierestärkenden und lipidauffüllenden Hautpflegeformulierungen.
Eignen sich als ergänzende Lipidkomponenten für lamellare und hautähnlich aufgebaute Pflegekonzepte.
Unterstützen ein geschmeidiges Hautgefühl und können mithilfe des Phospholipids fein verteilt werden.
Stabilisieren die Wasserphase und unterstützen die Viskosität von Gelen, Seren und Emulsionen.
Können Filmbildung, Sensorik und Stabilität phospholipidhaltiger Gel- und Serumformulierungen ergänzen.
Passen gut in beruhigende und feuchtigkeitsspendende Pflege für empfindliche und beanspruchte Haut.
Ergänzen phospholipidhaltige Formulierungen in feuchtigkeitsspendenden und regenerierenden Pflegekonzepten.
Coenzym Q10, Tocopherol, Bisabolol oder ausgewählte Pflanzenextrakte können je nach Löslichkeit in geeignete Phospholipidsysteme eingebunden werden.
pH-Wert und Formulierungsstabilität
Die pH-Stabilität hängt von der konkreten Rohstoffqualität und der vollständigen Zusammensetzung des Produktes ab. Für viele Hautpflegeprodukte ist ein leicht saurer pH-Wert im hautphysiologischen Bereich sinnvoll.
Als allgemeiner Ausgangspunkt kann für kosmetische Hautpflegeformulierungen häufig ein End-pH-Wert von etwa pH 4,5 bis 6,5 geprüft werden. Stark saure oder stark alkalische Bedingungen können die Langzeitstabilität von Phospholipiden, Emulgatoren und weiteren Rezepturbestandteilen beeinträchtigen.
Der pH-Wert sollte immer erst am vollständig hergestellten und abgekühlten Produkt gemessen und vorsichtig eingestellt werden. Anschließend sind erneute Kontrollen nach 24 bis 48 Stunden sowie während der Stabilitätsprüfung empfehlenswert.
Oxidationsschutz
Phospholipide können abhängig von ihrem Gehalt an ungesättigten Fettsäuren gegenüber Sauerstoff, Wärme und Licht empfindlich sein. Eine oxidative Veränderung kann sich durch eine zunehmende Gelb- oder Braunfärbung, einen veränderten Eigengeruch oder eine Verschlechterung der Emulsionsstabilität zeigen.
Für oxidationsanfällige Qualitäten kann eine Kombination mit geeigneten Antioxidantien sinnvoll sein. Dazu zählen beispielsweise Tocopherol, Rosmarin-Antioxidans oder andere für die jeweilige Rezeptur geeignete Schutzsysteme.
- Lange und unnötig hohe Wärmebelastung vermeiden.
- Kontakt mit Luft während Herstellung und Lagerung begrenzen.
- Lichtgeschützte und möglichst luftarme Verpackungen verwenden.
- Metallische Verunreinigungen vermeiden.
- Bei Bedarf ein geeignetes Antioxidans und einen Chelatbildner prüfen.
Produktdaten
| Produktbezeichnung | Hydrolysiertes Phosphatidylcholin |
| Internationale Bezeichnung | Hydrolyzed Phosphatidylcholine |
| INCI | Gemäß chargenspezifischer Produktspezifikation und Herstellerangabe |
| Stoffklasse | Hydrolysiertes Phospholipid / Phosphatidylcholin-Derivat |
| Typische Herkunft | Häufig aus Soja- oder Sonnenblumenphospholipiden; maßgeblich ist die jeweilige Produktspezifikation |
| Aussehen | Cremefarbenes Pulver |
| Geruch | Schwach charakteristisch bis phospholipidtypisch |
| Dispergierbarkeit | Produkspezifisch; häufig in Wasser dispergierbar beziehungsweise mit Wasser- und Lipidphasen kombinierbar |
| Kosmetische Funktion | Emulgierend, hautpflegend, konditionierend und unterstützend für phospholipidbasierte Trägersysteme |
| Verwendung | Zur kosmetischen Weiterverarbeitung entsprechend Produktspezifikation |
Die Handelsbezeichnung „Hydrolysiertes Phosphatidylcholin“ muss nicht in jedem Fall mit der verbindlichen INCI-Deklaration des gelieferten Rohstoffes übereinstimmen. Je nach Zusammensetzung kann der Hersteller beispielsweise eine Phospholipid-, Lecithin-, Lysolecithin- oder Compound-INCI ausweisen. Für die Kennzeichnung eines Endproduktes ist ausschließlich die INCI-Angabe im aktuellen technischen Datenblatt beziehungsweise CoA des konkreten Rohstoffes maßgeblich.
Hinweis zur Bedeutung im Fettstoffwechsel
Phosphatidylcholin kommt natürlicherweise im menschlichen und tierischen Organismus vor und ist dort unter anderem Bestandteil von Zellmembranen, Lipoproteinen und biologischen Lipidtransportprozessen.
Diese physiologischen Funktionen beziehen sich jedoch auf Phosphatidylcholin innerhalb des Organismus. Sie dürfen nicht unmittelbar auf die äußerliche Anwendung eines kosmetischen Rohstoffes übertragen werden.
Bei einem kosmetischen Produkt stehen daher keine systemischen Wirkungen auf den Fettstoffwechsel im Vordergrund. Die sachlich geeigneten kosmetischen Funktionen sind insbesondere Emulgierung, Hautpflege, Konditionierung und die Unterstützung geeigneter Lipid- und Wirkstoffträgersysteme.
Sicherheit und sachgerechte Handhabung
Hydrolysiertes Phosphatidylcholin wird als kosmetischer Rohstoff zur Entwicklung von Haut- und Haarpflegeprodukten eingesetzt. Bei pulverförmigen Qualitäten kann während des Umfüllens, Einwiegens oder Mischens feiner Staub entstehen.
- Staubbildung beim Einwiegen und Umfüllen möglichst vermeiden.
- Einatmen des Pulvers sowie Kontakt mit Augen und Schleimhäuten vermeiden.
- Geeignete persönliche Schutzausrüstung entsprechend Sicherheitsdatenblatt verwenden.
- Nach der Verarbeitung Hände und Arbeitsgeräte gründlich reinigen.
- Nur in sauberen, trockenen und für kosmetische Rohstoffe geeigneten Bereichen verarbeiten.
- Behälter nach jeder Entnahme sorgfältig verschließen.
- Vor Feuchtigkeit, Hitze, Sauerstoff und direkter Sonneneinstrahlung schützen.
- Aktuelles Sicherheitsdatenblatt, CoA und technische Produktspezifikation beachten.
- Bei sojabasierten Qualitäten die Rohstoffherkunft und mögliche kennzeichnungsrelevante Aspekte prüfen.
Sicherheitsempfehlungen für daraus hergestellte Endprodukte
Die Sicherheit und Eignung eines Endproduktes hängen von der eingesetzten Konzentration, dem Hydrolysegrad, der Reinheit und physikalischen Form des Rohstoffes sowie von der vollständigen Rezeptur und dem vorgesehenen Anwendungsbereich ab.
Vor der Markteinführung sollten insbesondere die physikalische und chemische Stabilität, Oxidationsstabilität, mikrobiologische Qualität, Verpackungskompatibilität sowie die Hautverträglichkeit des fertigen Produktes geprüft werden.
Bei kosmetischen Produkten innerhalb der Europäischen Union sind unter anderem eine Sicherheitsbewertung, eine Produktinformationsdatei, eine geeignete Kennzeichnung und die Einhaltung der geltenden Kosmetikverordnung erforderlich.
Lagerung
Kühl, trocken und lichtgeschützt lagern. Vor Feuchtigkeit, Sauerstoff, direkter Sonneneinstrahlung und starken Temperaturschwankungen schützen. Den Behälter nach jeder Entnahme sorgfältig und möglichst luftdicht verschließen.
Die vom Hersteller angegebene Lagertemperatur ist einzuhalten. Bei flüssigen Dispersionen, Pasten oder vorkonfektionierten Phospholipid-Komplexen können abweichende Lagerbedingungen gelten.
Eine Veränderung von Geruch, Farbe oder Konsistenz kann auf Oxidation, Feuchtigkeitsaufnahme oder eine nicht sachgerechte Lagerung hinweisen.
Kundenrezensionen
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